Heute erzählt euch ein Stammcrewler davon, was Fortuna für ihn bedeutet.
Bufdi auf Fortuna – Zwischen Wellen, Wind und Funkenströmen
Winter 2022. Ich komme zum ersten Mal auf die Fortuna, hatte im Internet von der Bufdi-Stelle an Bord gelesen. Das Schiff wie im Winterschlaf, nackte Masten, der stählerne Rumpf kalt und still treibend wie der Ponton des Hafens selbst.
Ostern 2023, eine Werkelwoche. Das Schiff umringt von Aufbruchstimmung. Ein neuer Großmast liegt am Ufer und erwartet seinen Einsatz, währenddessen wird der Rumpf entrostet und geschützt, einige Holzelemente werden überarbeitet. Ich mitten drin, am Mast arbeiten, vom Floß aus Teer auf den Rumpf streichen und den Schiffsnamen weiß nachziehen. Mittlerweile ist mir klar: Hier gehöre ich hin.
Herbst 2024, mein Bufdi-Jahr beginnt. Es sind viele strukturelle Arbeiten nötig, deshalb startet alles mit zwei Monaten in der Werft. Zwei Monate gefüllt von Reperaturen und Wartungen vom Topp des Großmasts bis zum hintersten Eck des Maschinenraums. Das Schiff ist auf einer Rampe an Land, geschlafen wird also mit einigen Grad Steigung am Bett. Es ist eine anstrengende Zeit, aber das Ziel ist klar: Fortuna wieder fahrbereit machen, wieder mit Leuten segeln. Mittlerweile ist Winter und zum zweiten Advent ist Fortuna auch wieder im vertrauten Nass. Die Nächte werden länger und das Schiff ist tief im Winterschlaf, die Seile verstaut, die Winden unter Planen. Ich bin noch wach und passe aufs Schiff auf. Holzöfen spenden mir Wärme, während an Deck Frost und auch manchmal Schnee an Halt gewinnen. In der meisten Zeit allein wohne ich nun auf Fortuna und arbeite weiter an Wassertanks, der Inneneinrichtung oder neuen Seilen. Die Einsamkeit stellt eine Probe und zugleich eine mir neue Art zu leben dar und so kann ich sagen, dass in dieser Zeit aus einem Jugendlichen ein junger Erwachsener wird.
Sommer 2025, meine Saison. Der Wind drückt in die Segel, Fortuna mit leichter Schräglage und in voller Fahrt. Die Mühen der kalten Monate haben sich ausgezahlt. Das Schiff segelt und ist voll besetzt. Ich bin beinahe überall, leite Segel an, stehe am Ruder, navigiere, funke oder backe Brot. Die Ernte des Winters ist das Wissen übers Schiff und verschmilzt mit jeder neuen Segelstunde zu einem Gefühl von Sicherheit. Mit Menschen segeln, etwas beibringen und etwas lernen, etwas tun und aus dem gemeinsamen Handeln Früchte tragen, das sind Dinge, die meine Zeit auf Fortuna zu einer der bedeutendsten meines bisherigen Lebens machen und Garantie dafür, dass ich an diesen Erlebnissen festhalten und weiterhin engagiert um Fortuna bleiben will.
Das Segelschiff Fortuna ist knapp über 115 Jahre alt und immer wieder tauchen neue "Baustellen", die zum Teil teuer in einer Werft behoben werden müssen, auf. Da wir durch die Fahrten in der Saison diese Mehrkosten allerdings nicht reinholen können, sind wir auf Spenden angewiesen. Jeder Euro zählt! Helft uns diese wunderbaren Erfahrungen auf Fortuna weiterhin vielen Menschen zu ermöglichen, indem ihr uns auf betterplace mit einer Spende unterstützt.


