Gedanken im Advent: Teil 5

Heute erzählt euch eine Stammcrewlerin davon, was Fortuna für sie bedeutet.

 

Moin,

mein Name ist Astrid Spahr und ich habe eine Hemiparese seit Geburt sowie Epilepsie.

 

Mein Leben auf und vor allem mit Fortuna begann im Jahr 2012. Ich war 24 Jahre jung und wollte unbedingt Urlaub auf dem Meer machen. Durch meine Beeinträchtigung ist die Auswahl natürlich geringer. Eine Yacht ist zu wackelig und in vielen AGBs steht drin, dass man kein Anfallsleiden haben darf. Über ein paar Ecken habe ich von Fortuna erfahren. Ein halbes Jahr später im Sommer befand ich mich mit ca. 25 anderen mir unbekannten Leuten auf Fortuna als Urlauberin. Ich fühlte mich sofort wohl und schrieb über diese Reise sogar Tagebuch, weil es mir so gut gefiel und ich alles behalten wollte. Ich habe das erste Mal mit Gleichgesinnten, die auch alle eine Beeinträchtigung hatten und unterschiedlich viel oder wenig Assistenz benötigten, 14 Tage Urlaub auf dem Wasser gemacht und wusste nicht, ob es mir gefallen könnte. Kurz gesagt: Dieser Urlaub war der bisher beste Urlaub und wird er auch wahrscheinlich bleiben. Mir war klar, dass Fortuna mich wieder sehen wird. Ich wusste damals noch nicht, dass ich mich ohne Fortuna heute nicht mehr vollständig fühlen würde.

 

Im Jahr 2014 und 2017 folgten zwei weitere sehr schöne Urlaubsreisen auf Fortuna. Im Jahr 2021 war ich dann das erste Mal als Hauptbetreuerin beim Spätsommertörn mit und wechselte dadurch die Perspektive auf der Reise. Das habe ich tatsächlich der ehrenamtlichen Stammcrew zu verdanken. Diese setzte sich dafür ein. An dieser Stelle noch einmal an alle Beteiligten ein riesiges „Dankeschön!“. Ihr habt es ermöglicht, dass ich Fortuna von einer anderen Seite kennen lernen durfte. Erst dabei wurde mir bewusst, wie wichtig dieses Projekt ist. Die Assistenz machte mir riesigen Spaß und die neue Aufgabe fand ich einfach nur wunderbar. Natürlich ist es auch eine Herausforderung und nach der Reise war ich einfach nur kaputt und müde, aber die Menschen mit Assistenzbedarf gaben mir mit ihrem Spaß beim Segeln und der Freude genau jetzt auf Fortuna sein zu können, so viel zurück, dass ich es immer wieder gerne machen würde.

 

Im Januar 2021 wurde ich bereits in den Vorstand gewählt und wechselte erneut die Perspektive. Im darauffolgenden Jahr fuhr ich nicht nur als Hauptbetreuerin mit, sondern organisierte auch den Spätsommertörn das erste Mal. Ich mochte schon immer sehr gerne organisieren und planen. Wenn das Ziel dann strahlende Augen von Menschen mit Beeinträchtigung sind, macht es noch mehr Spaß. Natürlich hatte ich auch viele andere Aufgaben und übernahm diese wirklich immer sehr gerne.

 

Im Jahr 2024 habe ich mich erfolgreich für „NDR – wünsch dir was“ beworben. Das Thema war „Ehrenamt“. Die Person, die gewinnt, kam bei „DAS“ auf das rote Sofa. Ich landete bei vielen hunderten Bewerbungen unerwartet auf dem zweiten Platz. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Drei Redakteure waren bei einem kurzen Törn für zwei Tage mit an Bord und es entstand ein kurzer Beitrag für „DAS“. Die Erfahrung war für mich richtig schön, aber auch sehr anstrengend. Vor allem durch meine Epilepsie brauche ich mehr Ruhe als gesunde Menschen. Das sieht man mir nur nicht an.

 

Nun fordert meine Beeinträchtigung durch ein paar Rückschläge mehr Zeit ein. Zudem bin ich selbstständig und führe einen Hof. Da wird die Arbeit tendenziell auch eher mehr. Deswegen bin ich im Herbst 2025 nach langer Überlegung wieder aus dem Vorstand raus gegangen. Ist damit Fortuna aus meinem Leben verschwunden? Die Antwort lautet eindeutig „NEIN!“. Nun konzentriere ich mich voll und ganz auf das Thema „Spenden“. Denn innerhalb meiner Vorstandsarbeit wurde mir sehr schnell klar, dass ohne Spendengelder Fortuna nicht überleben wird. Das könnte ich nicht ertragen. Bisher konnte ich auch schon während der Vorstandszeit Berufskollegen, Lieferanten und auch Kunden von dem Projekt begeistern und als teilweise sogar dauerhafte Unterstützer/innen gewinnen. Das freut mich so sehr. Auch an euch alle „Vielen herzlichen Dank!“

 

Ich verbinde so viele sehr schöne Erinnerungen mit Fortuna. Das Projekt ist mein Herzensprojekt geworden und hat mein Leben für immer positiv verändert. Ich freue mich auf viele weitere schöne Jahre mit der ehrenamtlichen Stammcrew, dem fantastischen Kapitän Carsten und natürlich den vielen Betreuenden, die Assistenz geben. Ich danke euch allen sehr!

 

Herzliche Grüße und schöne Weihnachten!

 

Astrid Spahr

 


Das Segelschiff Fortuna ist knapp über 115 Jahre alt und immer wieder tauchen neue "Baustellen", die zum Teil teuer in einer Werft behoben werden müssen, auf. Da wir durch die Fahrten in der Saison diese Mehrkosten allerdings nicht reinholen können, sind wir auf Spenden angewiesen. Jeder Euro zählt! Helft uns diese wunderbaren Erfahrungen auf Fortuna weiterhin vielen Menschen zu ermöglichen, indem ihr uns auf betterplace mit einer Spende unterstützt.


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